CoWorking für Startups ungeeignet?

Schon wie ich das Thema CoWorking erstmalig aufgegriffen habe, hatte ich sehr starken Gegenwind – von unerwarteter Seite. Ein damaliger Auftraggeber sah das Engagement (u.a. diese Website damals in der Anfangszeit) und wetterte sofort, dass er keine Aufträge mehr erteilen wird, wenn ich “in so einem öffentlichen Büro” arbeite.

Die Bedenken dahinter sind real und nicht von der Hand zu weisen. Für viele Unternehmen – vor allem Startups – ist die Geheimhaltung von Prozessen, Kunden, Kundendaten und Anderem sehr wichtig. Dies merkt man daran, dass viele auch kleine Unternehmen auch intern kein WLAN nutzen und sich sehr bedeckt geben. Das wundert nicht: Die Kopie von Geschäftsideen ist ein sehr lukratives Geschäft. Schon Ende der 90er Jahre kopierten die Samwer-Brüder die Idee von eBay in Deutschland – und verkauften nach sehr kurzer Zeit ihr Startup “Alando” für 43 Mio. US-Dollar an eBay. StudiVZ ist als nichts anderes, als eine Kopie von Facebook gestartet. Die Beispiele ließen sich endlos fortsetzen.

Darum kann es für junge Unternehmen gefährlich und sogar vollkommen undenkbar sein, in einem CoWorking-Space zu arbeiten. Bildschirminhalte sind nicht vertraulich, Telefonate können mitgehört werden, Ausdrucke gelangen mal in fremde Hände und Ideen wandern schnell durch den ganzen Raum. Vielleicht verstößt man dadurch sogar gegen eine Geheimhaltungserklärung und muss eine hohe Vertragsstrafe zahlen?

Was auf der einen Seite gewünscht und als großer Vorteil des CoWorking gesehen wird, schlägt hier genau in die andere Richtung und wird zum größten Nachteil.

Wie kann CoWorking auf der einen Seite offen und auf der anderen Seite vertraulich sein? Was können CoWorking-Betreiber tun, um nicht gerade der besten Zielgruppe (den Startups) die Lust am CoWorking zu vermiesen? Oder ist CoWorking einfach nichts für StartUps?



Kommentare

  1. Dominik 12. April 2010

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    “CoWorking” für Startups wird nur mit eigenen Büros und gemeinsamen Flächen wie Küche, Empfang, Konfi etc. möglich sein. Also eher Richtung Gründerzentrum…


  2. Roland Moriz 12. April 2010

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    “ja, aber” — Copycats kopieren nur *bereits erfolgreiche* Konzepte.

    Die Gründungsphobie in Deutschland (“glaubst Du wirklich damit Geld zu verdienen?”) ist zudem ein guter Schutz eine innovative Idee in Ruhe umzusetzen. Generell sind NDAs so gut wie nichts wert, da juristisch sehr schwer einzufordern. Es dreht sich also auch hier alles um Vertrauen, auch beim CoWorking.

    Wenn die Zusammensetzung eines CoWorking-Anbieters zu homogen ist, ist das Konkurrenz-Risiko recht hoch und der Mehrwert sinkt dramatisch für alle Beteiligten (“Was die können, kann ich auch” bzw “ich hänge mich an die Alphas ran und sauge Wissen” “Geben und Nehmen”). Das war für mich auch schon mit ein Grund eine Bürogemeinschaft zu verlassen.

    Interessenten sollten sich den CoWorking Anbieter und seine Mieter/Mieterstruktur ansehen und dann fallweise entscheiden: Beispielsweise einen CoWorking-Space suchen, der enweder viele Meetingräume, “Telefonzimmer” oder eben abgetrennte Büros anbietet.

    Eine Mischung aus beidem finde ich generell attraktiv: Hat man vertrauliche Dinge zu erledigen schiebt man seinen Rollcontainer für ein paar Stunden/Tage in ein abgeschlossenes Büro, ansonsten ist man im Großraumbüro anzutreffen.

    Wer also ausreichend Kapazitäten im Großraum wie auch in privaten Büros anbieten kann, wird im CoWorking-Segment langfristig erfolgreicher sein als “Mono-Anbieter”.


  3. Sven 13. April 2010

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    Ich halte auch “Mono-Anbieter” für wenig attraktiv bzw. sinnvoll. Ein Coworking-Space sollte meiner Meinung nach möglichst facettenreich aufgestellt sein, als Unternehmer(innen) aus möglichst vielen Bereichen. Das führt mich zumindest zu dem Schluss, dass Coworking-Spaces, gerade wenn keine ordentliche Trennung möglich/vorhanden ist (also genügend Meetingräume etc.), nur im kleinen Rahmen ordentlich funktionieren können. Bei 100 Leuten im Space ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass viele gleiche/ähnliche Dinge machen und sich dadurch zwangsläufig ein Konkurrenzdenken entwickelt, das ein gemeinsames Arbeiten nicht angenehm gestaltet.

    Coworking ist wohl für die Startups ungeeignet, die aus ihrer Idee ein Geheimnis machen (wollen/müssen), vielleicht weil sie außergewöhnlich neu oder innovativ ist. Das kann ich nachvollziehen, aber vermutlich würden solche Unternehmen gar nicht auf die Idee kommen, sich in einem Coworking-Space einzumieten.


  4. RalfLippold 24. April 2010

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    Der LockSchuppen in Dresden ist explizit als OpenSpace Startup-Inkubator angelegt. Mehr unter http://slideshare.com/RalfLippold

    Sicher nicht für jeden Gründer passend, daran wird jedoch bereits unter Zuhilfenahme zur Zeit laufender Diplomarbeiten heftig gearbeitet.




Über den Autor

Jörg Dennis Krüger

Jörg Dennis Krüger ist Initiator von CoWorking-Munich.de. Als langjähriger Selbständiger und Freiberufler hat ihn der CoWorking-Virus schon beim ersten Kontakt infiziert. Seitdem engagiert er sich dafür, dass auch in München eine aktive und vitale CoWorking-Gemeinde entsteht. Seit November 2009 ist er in angestellter Position tätig. So ist er derzeit nicht an der aktiven Nutzung von CoWorking interessiert, unterstützt jedoch - u.a. mit CoWorking-Munich.de - die CoWorking-Gemeinde in München.