CoWorking als Finanzinvestment
In den letzten Tagen schlagen vermehrt Suchen wie “Coworking Investment” und “Coworking Rendite” bei uns auf. Grund genug, dazu ein paar Zeilen zu schreiben.
Gleich vorweg: Aus meiner Sicht eignet sich CoWorking nicht als Finanzinvestment. Die mögliche Rendite halte ich für sehr gering.
Warum? CoWorking spricht insbesondere Selbständige, Freelancer, kleine Unternehmen und Kreative an. Diese versprechen sich durch CoWorking nicht nur Networking und Synergien, sondern auch eine günstige Möglichkeit, ein einigermaßen professionelles Büro nutzen zu können. All dies kann in einem auf kommerziellen Erfolg getrimmten Umfeld nur schwer funktionieren. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass ein CoWorking-Space langfristig auch einen operativen Gewinn abwerfen kann – aber schon ein Gewinn nach Rücklagen und Investitionen ist nicht einfach zu erreichen. Kapitaldienst oder gar Investorenrendite ist damit schwer zu erbringen.
Trotzdem halte ich CoWorking für eine mögliche Investition – wenn man etwas weiter denkt. Man darf nicht nur in den Space investieren, sondern muss diesen als Basis für junge Unternehmen sehen, in die man so sehr früh recht günstig investieren kann und die dann die tatsächliche Rendite erwirtschaften können. Dabei sind diese Startups durch CoWorking sehr flexibel und haben nur geringe Fixkosten und eine hohe Flexibilität, was viele Probleme in der Seedphase eine Unternehmens vereinfacht.
Was meint ihr? Kann man mit CoWorking Geld verdienen? Wenn ja, wie? Wenn nein, warum?
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Roland 7. April 2010
CoWorking kann für den Betreiber durchaus lukrativ sein. Beobachtet man die Anbieter und Standorte bspw in Berlin oder die kommerziellen Anbieter vergleichbarer Immobilienangebote in München (Friendsfactory, SWM Blumenstraße, Ex Siemens/Infineon? St. Martin Straße), so zieht sich ein roter Faden hindurch:
Alles sind keine A-Standorte oder Immobilien. Es sind leerstehende Gewerbehöfe, Industrie- bzw Verwaltungsgebäude — fast ausschliesslich aus der Nachkriegszeit.
Diese sind wirtschaftlich nicht mehr zu sanieren um sie teuer vermieten zu können, für einen Abriss und Neubau fehlen die Investoren bzw. Mieter. Eine Untervermietung in kleinere Einheiten kann aber trotzdem Einnahmen generieren und so zumindest die Unterhaltskosten und den Betrieb decken.
Ob man, vergleichbar einem Risikokapitalgeber, irgendwann das große Los zieht und ein CoWorking Mieter enormen Mietbedarf hat — wer weiss…
Anbieter sollten aber nicht gleich den Fehler machen, unrealistische Preise von den Mietern zu verlangen: Das erhöht nur die Fluktuation und den Druck Geld zu verdienen, nicht jedoch auf Innovation und Netzwerken.
Gerade dies sind aber doch die Punkte warum man als Gründer ein CoWorking Space mieten und nicht weiter von zuhause arbeiten möchte.
Ich würde mir in München einen Mix aus den Berliner “Josetti-Höfen”, “Elisabethhof” und “Backfabrik” wünschen.
Jörg Dennis Krüger 8. April 2010
Die Immobilienangebote halte ich nicht für vergleichbar. Mit der Vermietung von Immobilien kann man Geld verdienen – keine Frage. Einen CoWorking-Space zu betreiben ist aber deutlich aufwendiger und man hat wohl die (aus klassischer Vermieter-Sicht) schwierigsten Mieter und die geringste Sicherheit überhaupt…
Mit unrealistischen Preisen klappt ein CoWorking-Space gar nicht – denn es wird einfach niemand kommen. Der Preis ist für viele einer der wichtigsten Argumente für CoWorking – denn Büros kann man ja überall mieten. Erst wenn der Preis stimmt, machen sich viele Gedanken zu den weiteren Vorteilen von CoWorking (denn primär müssen ja alle erstmal ihr eigenes Business betreiben und nur sekundär kann man Nutzen aus dem Netzwerkgedanken ziehen – und auch der Nutzen müsste für mich quantifizierbar sein, damit er interessant ist).
Problem in München ggü. Berlin ist auch, dass es einfach nur sehr wenig ungewollten Leerstand gibt und man auch für einen CoWorking-Space recht teuer Bürofläche anmieten muss.
Roland 8. April 2010
(bzgl Immobilienverfügbarkeit/Struktur München)
Ja, das ist natürlich auch meine Befürchtung. Allerdings gibt es in München durchaus Schrott-Gewerbeimmobilien. Leider alles andere als kommunikativ gelegen (am Ende der Welt) oder viel zu groß. Und der scheinbar *gewollte* Leerstand ist für Vermieter eigentlich auch kein Grund sich den Trubel mit Einzelunternehmern anzutun, sehe ich auch so.
Das Friendsfactory-Konzept, was durchaus Parallelen mit CoWorking hat, finde ich auch nicht wirklich gut: Man wirbt zwar mit einer Art Co-Working, die Mieter sind aber zumindest an manchen Standorten ziemlich isoliert (gewollt?). Die Preise sind auch auf sehr hohem Niveau und weitere Basisdienste kosten zusätzliche Gebühren.
Enleuchtend ist aber auch die Idee, dass sich große Unternehmen mit freien Bürokapazitäten diese an thematisch interessante Gründer untervermieten. Ich denke da an diverse namhafte US Firmen (Yahoo, Amazon) die meines Wissen mehr als genügend Fläche mieten ohne sie vorteilhaft zu nutzen. Diese könnte man beispielsweisen Anwendungsentwicklern untervermieten, die die Schnittstellen der Unternehmen nutzen und deren Produkte veredeln.
Johannes 15. April 2010
Tja… da kommt wohl einiges zusammen… wenn man mit CoWorking Geld verdienen will, braucht man wohl Preise, wie das Combinat 56? Dann wird’s aber schnell unattraktiv und dann ists Essig mit dem Geld verdienen… also ich würde da kein Geld investieren!
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